6-jährige Grundschule

Als ich mich 2015 um die Stelle als Schulleiter der Schule Grumbrechtstraße bewarb, war einer der ausschlaggebenden Gründe dafür, an einer sechsjährigen Grundschule arbeiten zu können. Ich bin seit Jahrzehnten der Überzeugung, dass sich durch das längere gemeinsame Lernen die Chancen aller Kinder auf eine optimale Förderung verbessern. Seit 2015 mache ich ganz praktische Erfahrungen, was es bedeutet, an einer Schule mit sechs Jahrgängen tätig zu sein.

Es ist eine Freude zu sehen, wie die Fünft- und Sechstklässler/innen sich in das Schulleben einbringen, wie sie sich um jüngere Schülerinnen oder Schüler kümmern, die ein Kühlpad brauchen, wenn sie in der Pause hingefallen sind, wie sie beispielsweise im Ganztagsausschuss eine verbesserte Ausstattung mit Computern fordern oder im Schülerparlament die Einführung eines Süßigkeiten-Tages planen und umsetzen. Bei uns sind sie die Großen, und sie nutzen diese Chance. Sicher hat diese Besonderheit der sechsjährigen Grundschule dazu beigetragen, dass wir zu den Preisträgern des   DemokratieErleben-Preises 2017 gehören.

Ich habe in der Zeit seit 2015 aber auch erlebt, dass dieser Schulversuch vielfältige Anforderungen an die Pädagoginnen und Pädagogen hinsichtlich der Organisation und der Unterrichtsplanung stellt. Ich bin sehr stolz, mit einem so engagierten und professionellen Team zusammenarbeiten zu können, das dieses Projekt aus Überzeugung vorantreibt.

In den vergangenen Jahren konnten die Rahmenbedingungen für die Klassen kontinuierlich verbessert werden. So ist der größte Teil der Unterrichtsstunden mit zwei Fachkräften besetzt. Die Klassenfrequenzen unterschreiten in den meisten Lerngruppen die maximale Anzahl von 23 Kindern. Alle Klassenräume sind mit Smartboards ausgestattet und verfügen über einen geräumigen Gruppenraum. Zusätzlich können wir Fachräume bereithalten, zu denen u. a. zwei Natur- und Technik-Räume gehören. Es sind vielfältige Lernmittel für eine optimale Förderung vorhanden. Seit Beginn des Schuljahres 2017/18 konnten wir die Stelle einer Abteilungsleitungsleitung für die Jahrgänge 5 und 6 schaffen und mit der erfahrenen und hochmotivierten Frau Donath besetzen. Dies erleichtert nicht nur die Arbeit, es bringt auch neue Chancen für die Ausgestaltung und Verbesserung des Schulversuches.

Zugleich konnte ich eine hervorragende Kooperation mit den anderen drei Schulen erleben, die am Schulversuch teilnehmen. Dies sind die Schulen An der Burgweide, Rellinger Straße und Vizelinstraße. Regelmäßig treffen sich die Schulleitungen, um sich über Erfahrungen und neue Gestaltungsideen auszutauschen. Die Kollegien kommen regelhaft zu Fortbildungen zusammen. Gemeinsam arbeiten wir an einem Projekt, das uns am Herzen liegt.

Der Schulversuch wird wissenschaftlich begleitet, und die Ergebnisse werden genau ausgewertet und diskutiert. Auch wenn es für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch zu früh ist, um eine abschließende Auswertung vorlegen zu können, so sind wir sind doch sehr froh, dass die bisherigen Resultate den deutlichen Trend zeigen, dass unsere Kinder überdurchschnittliche Lernfortschritte machen.

Eines allerdings stört mich an diesem Schulversuch, und das ist der Name. Der Begriff „Schulversuch“ hört sich so an, als würden hier mit Kindern experimentiert. Dies ist  aber ganz und gar nicht der Fall. Dass Kinder sechs Jahre gemeinsam lernen, ist in vielen Ländern und Bundesländern seit vielen Jahrzehnten bewährte Praxis. Wir probieren hier nichts aus, wir entwickeln das schulische Lernen weiter in Richtung Chancengerechtigkeit und bestmögliche Förderung für jedes einzelne Kind!

Mit dieser Broschüre legen wir zum ersten Mal eine ausführliche Darstellung des Schulversuches vor. Ich hoffe, meine Worte haben Ihre Neugier gesteigert.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Arndt Paasch


Zum Download der Broschüre hier oder auf das Bild klicken.