Längeres gemeinsames Lernen

Die vier Hamburger Grundschulen An der Burgweide, Grumbrechtstraße, Rellinger Straße und Vizelinstraße wurden 2011 auf eigenen Antrag Versuchsschulen zur Erprobung der sechsjährigen Grundschule in Hamburg. Die vier Schulen sind so unterschiedlich wie ihre Schüler/innen, ihre Kollegien und ihr soziales Einzugsgebiet. Sie eint die Überzeugung, dass Grundschulen in sechs Jahren ihren Schüler/innen einen größeren Lernerfolg sowohl in den fachlichen als auch in den überfachlichen Kompetenzen ermöglichen können, als dies bei einer Trennung auf zwei beziehungsweise drei Schulformen nach Klasse 4 möglich wäre. Die größere Vielfalt des sechsjährigen gemeinsamen Lernens aller Schüler/innen sehen sie mehr als Chance denn als Problem.

Der Orientierungsrahmen Schulqualität, die staatliche Normsetzung für gute Schule und guten Unterricht in Hamburg, zielt in der höchsten Qualitätsstufe des Unterrichtens auf individualisiertes, besser noch personalisiertes Lernen mit einem hohen Grad von Selbsttätigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Kinder für ihren je individuellen Lernprozess.

Dieses setzt eine Haltung der Kolleg/innen voraus, die von Empathie und Wertschätzung für alle Schüler/innen geprägt ist und ein Lernverständnis, das auf den neusten Forschungsergebnissen basiert. Lernen müssen die Kinder selbst – die Lernfreude wird ihnen bereits bei der Geburt mitgegeben. Um diese zu erhalten braucht es Lehrer/innen, die im Team daran arbeiten, Lernarrangements zu entwickeln, die allen Kindern in ihren individuellen Lernwegen gerecht werden. Daran arbeiten wir im Schulversuch.

Für die Arbeit in heterogenen Lerngruppen kommt der Teamarbeit eine besondere Bedeutung zu. Mit der Teamarbeit gelingt der Schritt vom „Ich und meine Klasse“ zum „Wir und unsere Schule“ und von der „Arbeit im System“ zur „Arbeit am System“ viel leichter. Der Austausch untereinander sichert, dass kein Kind verloren gehen kann. Darüber hinaus sind die Teams der Ort für kollegiales Feedback. Als System arbeiten die Schulen zur Evaluation ihrer Schul- und Unterrichtsqualität eng mit dem Hamburger Institut für Bildung und Qualitätsentwicklung zusammen, das über Monitoring datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung unterstützt. Das Institut übt gleichzeitig die Funktion einer wissenschaftlichen Begleitung aus.

Die pädagogische und erzieherische Arbeit in den Schulversuchsschulen wurde durch die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Hamburg zusätzlich um die Aufgabe erweitert, Kinder mit Beeinträchtigungen zu integrieren. Darüber hinaus sind alle vier Schulen seit 2015 beteiligt an der Integration von einer größeren Anzahl von Flüchtlingskindern.

Die vier Schulen haben zu Beginn des Schulversuchs ein Netzwerk gebildet, das zusätzlich durch Mittel der Robert Bosch Stiftung aus dem Projekt SchulLabor finanziell und personell unterstützt wird. Ziel der Stiftung ist dabei, die Inklusion professionell zu gestalten.